Kitterella hat Sommerurlaub

Kitterella hat Sommerurlaub
wir sind am 04.09.2017 wieder zurück

Montag, 15. Mai 2017

BookView Kaltsommer von Thomas Pregel

erhältlich beim Größenwahn Verlag

Inhalt:
Tief in Holstein liegt das beschauliche Dorf Kaltsommer. Idyllisch und berühmt nicht nur wegen der langen Lindenallee, die tief die Ortschaft hineinzieht, sondern auch für ein ungeklärtes Wetterphänomen: Über den Dächern der Gemeinde hängt eine dichte graue Wolke, aus der es fast immer mindestens tröpfelt. Die meisten Holsteiner meiden den Kontakt mit diesem unheimlichen Flecken mitten in ihrer Heimat, was im Gegenzug die Kaltsommeraner zu einer verschworenen Gemeinschaft macht.
An diesem nasskalten Sommermorgen aber kommen unerwartet viele Fremde ins Dorf. Es sind Beamte der Mordkommission Neumünster, denn Annelie Faller, die Matriarchin des Faller-Clans, der die ortsansässige Schlachterei betreibt, ist brutal ermordet worden. Für Hauptkommissar Hans-Peter Arnstedt und seinen neuen Partner und Kollegen, Oberkommissar Daniel Freiwald, der aus Kaltsommer stammt, steht schnell die Familie der Toten im Fokus der Ermittlungen. Die sippeninternen Spannungen und der desolate wirtschaftliche Zustand des Betriebs bieten reichlich Motive für den Mord. Die ersten Verhöre schaffen es aber nicht, die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen, bis unerwartet Tobias Faller, der älteste Enkelsohn des Opfers, auftaucht. Doch kann er, der vor Jahren in Schimpf und Schande wegen seiner Homosexualität vom Hof gejagt worden und in Amerika mit dem Dreh von Schwulenpornos reich geworden ist, Licht in die Finsternis der zerrütteten Familiengeschichte bringen? Spätestens mit seinem Erscheinen wird klar, dass hier mehr als nur eine Rechnung noch offen ist oder bereits beglichen wurde. Selbst Oberkommissar Freiwald kann sich nicht mehr dem Strudel der Geschehnisse entziehen, auch er hängt durch eigene familiäre Bande in dieser Sache mit drin. Wenn er diesen Fall einigermaßen unbeschadet überstehen will, muss er auch sein eigenes Verhältnis zur Vergangenheit in Kaltsommer klären.
Thomas Pregel, der in Holstein geboren und aufgewachsen ist, kennt sich bestens mit den Gegebenheiten, Gewohnheiten und Bräuchen seiner Heimat aus. Die ganz eigene Mentalität der Norddeutschen, ihr Hang zum Wortkargen und Spröden etwa, findet in den wie abgeschottet lebenden Bewohnern von Kaltsommer ihre Zuspitzung und im Eigensinn der Familie Faller ihre fatale Krönung. Durch die Kriminalgeschichte dokumentiert er den Zerfall einer Familie, in der Loyalität und Liebe mit Gehorsam und Unterwerfung verwechselt und Geheimnisse, Intrigen und Verrat zur obersten Familienmaxime werden. Dieser Roman ist der Auftakt zu seiner Holsteiner-Trilogie, rund um die (fiktive) Ortschaft Kaltsommer, irgendwo zwischen Neumünster, Plön und Bad Segeberg gelegen.

Rezi folgt

AutorView mit Thomas Pregel

Ich habe Thomas auf der Buchmesse in Frankfurt 2016 schon kennen gelernt und sein Buch Kaltsommer ist mir im Gedächnis geblieben. Als ich ihn dann auf einem Bloggertreffen auf der Leipziger Buchmesse beim Größenwahn-Verlag wieder getroffen habe, hab ich mich sehr gefreut. Daher bin wirklich glücklich, dass ich ihn für mein AutorView gewinnen konnte.

Das ist Thomas :)


Lieber Thomas,

vielen lieben Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst und uns ein paar Fragen beantwortest 

Verrätst Du uns Dein Alter und/oder Deinen Geburtstag?
Ich bin im goldenen Oktober 1977 geboren. Manche behaupten nun, dass ich deshalb in diesem Jahr schon 40 werde …

Ist Dein Autorenname Dein echter Name oder Dein Künstlername? Wenn Künstlername, wieso gerade dieser Name?
Mein Autorenname ist mein Autorenname ist mein echter Name. Es ist schon anspruchsvoll genug, Namen für meine Protagonisten zu finden, da muss ich mir nicht auch noch für mich selbst einen Zweitnamen ausdenken.

Wo kommst Du her?
Ich komme gebürtig aus Schleswig-Holstein und bin dort in einem kleinen Dorf aufgewachsen – eine Zeit, die ich nicht missen möchte oder eintauschen wollen würde. Anders als heute war ich als Kind sogar oft draußen und habe viel auf Bauernhöfen gespielt. Das Dorf heißt übrigens Schönböken und ist bekannt für seine Lindenallee, die als die schönste Schleswig-Holsteins gilt (und wer genau hinschaut, wird darin auch die Vorlage für das Dorf Kaltsommer erkennen können, dem titelgebenden Dorf meines jüngsten Romans, der zugleich den Auftakt meiner Holsteiner Trilogie rund um eben dieses Dorf bildet).

Hast du Familie? Mann? Kinder? Haustiere?
Ich habe bisher keine eigene Familie gegründet und auch keinen Mann oder Kinder. Aber ich denke ernsthaft über Haustiere nach.

Was für Hobbys hast Du neben dem Schreiben?
Ich lese sehr gern, was jetzt nicht so überraschend sein mag. Außerdem höre ich sehr gerne Musik, vornehmlich aus dem Dark Ambient- und Drone Industrial-Bereich. Dabei kann ich am besten entspannen. Und manchmal, wenn ich die erste Version eines neuen Textes per Hand schreibe, kann ich selbst dazu Musik hören, wohingegen ich später Ruhe beim Schreiben bevorzuge. Aber über allem steht, wie man vielleicht schon gemerkt hat, das Schreiben als mein liebstes Hobby. Das betreibe ich sogar mit einer gewissen „Ernsthaftigkeit“, die man hoffentlich meinen Texten auch anmerkt.

Bestimmt hast auch Du Lieblingsautoren/Bücher. Welche wären das?
Ich mag die großen Erzähler, diejenigen, die einen mit Worten in ihren Bann schlagen können. Thomas Mann zählt dazu oder Marcel Proust. Dann gibt es einige amerikanische Erzähler, zurzeit hauptsächlich Philip K. Dick. Dazu kommt der Portugiese Antonio Lobo Antunes und sehr viele alte Russen außer Tolstoi, der zwar ein großartiger Erzähler ist, aber auch reaktionär bis zum Erbrechen ist. Eins meiner Lieblingsbücher ist außerdem „Gullivers Reisen“ von Jonathan Swift, weil es wie kaum ein anderes Buch Fantasie mit Klarsicht und Gesellschaftskritik verbindet.

Wie geht Deine Familie, Freunde etc. mit dem Schreiben um? Unterstützung?
Ich habe mit 12 angefangen zu schreiben, und als ich sagte, ich bräuchte dafür eine Schreibmaschine, haben sie aus irgendeiner Kiste ein altes Gerät hervorgekramt. Als ich dann beim Schreiben blieb, habe ich schnell ein neues Modell geschenkt bekommen. Heute sind meine Familienmitglieder meine treusten Leser, die gerne für mich Werbung machen oder auch mal in ihrem Wohnzimmer eine Lesung mit mir veranstalten. Wenn das keine Unterstützung ist, dann weiß ich auch nicht …

Wie recherchierst Du am Liebsten für Deine Bücher?
Ich recherchiere – wenn das überhaupt nötig ist und der Stoff es erfordert – noch auf die altmodische Art und Weise: mit Büchern und Bibliotheken oder gar Museen. Ich bin ja unter anderem studierter Historiker, der sein Studium noch absolviert hat, bevor das Internet als Informationsquelle alles andere dominiert und verdrängt hat, und das prägt mich bis heute. Ich plane zum Beispiel gerade einen Besuch im Textilmuseum Neumünster, um dort für den dritten Teil meiner Holsteiner Trilogie zu recherchieren.

Wenn Du mehrere Bücher geschrieben hast, welches Deiner Werke ist Dein Liebling?
Ich mag alle vier bisher erschienen Bücher von mir. Würde ich eins davon nicht mögen, selbst jetzt in der Rückschau, dann hätte ich es besser nicht veröffentlicht. Und trotzdem mag ich meinen Debütroman „Die unsicherste aller Tageszeiten“ noch immer sehr, weil er eine ungeheure Kraft besitzt und furchtlos in die dunkelsten Winkel der Seele meiner Hauptfigur blickt. Außerdem mag ich meinen Roman „Der ertrunkene See“ sehr gern, nicht nur weil er noch vor seinem Erscheinen schon für einen Preis nominiert war, sondern weil er ein erzählerisches Experiment darstellt, dass, wenn ich mir die Reaktionen der Leser so anschaue, wohl als gelungen gelten darf. Es gibt in diesem Roman nämlich kein einziges direkt gesprochenes Wort, keine Dialoge. Ich nenne dieses Werk darum auch eine reine Erzählung. Die Handlung soll sich vor dem Leser wie ein riesiges Gemälde entfalten, in dem er sich verliert.

Sind Neuerscheinungen geplant?
Ja, sogar eine ganze Menge. Diesen Sommer kommt ein Band mit Erzählungen unter dem Titel „Schauergeschichten für ängstliche Männer“ heraus, die sich alle thematisch um die (Schein-)Ängste der AfD- und Pegida-Gänger drehen und mal schauen, wie es wohl aussieht, wenn diese wahr werden. Im Frühjahr 2018 erscheint dann eine Novelle mit dem Titel „Angriff der Maismenschen“, in der ein Gen-Experiment fatal misslingt. Und im Sommer 2018 schließlich steht der zweite Teil der Holsteiner Trilogie rund um das Dorf Kaltsommer an.

Beschreibe in 3 Sätzen, was Bücher und Schreiben für Dich bedeuten.
Ich brauche nur einen einzigen unvollständigen Satz: Mein Leben!

Hörst du gerne Musik beim Schreiben – wenn ja was am liebsten.
Beim Schreiben nur in der Anfangsphase eines neuen Textes, wie ich oben bereits berichtet habe. Da ich jeden Text mindestens zweimal, aber meistens noch öfter ganz schreibe, ist es nicht so schlimm, wenn in der ersten Version noch nicht alles sitzt. Deshalb gönne ich mir dabei mitunter ein wenig musikalische Untermalung. Es dürfen jedoch keine richtigen Songs zum Mitsingen sein, sondern eben eher etwas Soundflächenartiges wie Filmmusik ohne Film.

Nascht Du beim Schreiben? Wenn ja, lieber süß oder salzig?
Ich versuche, es zu vermeiden. Aber wenn doch, dann entweder unbehandelte Nüsse oder Schokolade.

Gibt es was, was Du gar nicht gerne isst?
Innereien.

Was ist Deine persönliche „größte Sünde“?
Kuchen (wie man inzwischen auch schon sehen kann …)

Was ist dein liebstes Reiseziel?
Ich bin kein großer Reisender. Wenn ich in Berlin bin, reicht es mir, mich an meinen Schreibtisch zu setzen und meine Fantasie in die literarische Ferne schweifen zu lassen. Ansonsten bin ich immer noch sehr gerne in Holstein.

Wenn Du ein Tier sein würdest – welches wärst du gerne?
Das hängt von der Tagesform ab, würde ich sagen. Manchmal ein Blauwal, der majestätisch durch die Ozeane schwimmt. Dann wieder ein Kater, der nicht hinter dem warmen Ofen hervorkommen möchte. Oder auch bisweilen ein Faultier, das einfach an einem Ast hängt und den lieben Gott einen guten Mann sein lässt.

Wenn du ein Charakter aus einem Buch sein könntest (nicht zwingend deines) welcher wärst du gerne?
Das ist schwierig … Ein Hobbit vielleicht, die haben eine Vorliebe für Gemütlichkeit und erleben trotzdem ständig irgendwelche Abenteuer …

Was ist der dümmste Anmachspruch, den Du je gehört hast?
„Gefällt dir das etwa nicht?“

Schaust Du gerne TV (oder Streaming) und wenn ja was? Gibt es eine Lieblingsserie?
Ich schaue auch TV. Zur Zerstreuung nach einem harten Arbeitstag ist das ganz gut, und wenn ich schaue, mag ich formal und inhaltlich sehr gut gemachte Serien, egal ob Krimi oder Fantasy oder sonstwas. Nur Heile-Welt-Formate mag ich überhaupt nicht. Okay, und ich mag gute alte Sitcoms, die Klassiker wie „Golden Girls“, „Die Nanny“ oder „AbFab“ – und ja, ich weiß, was das über mich aussagt.

Wenn Du ein Date mit einem Prominenten gewinnen würdest, mit welchem würdest Du definitiv eins haben wollen?
Mit mir! Oder sonst mit Chris Pratt vielleicht, um mit mir in eine Sondervorstellung von „Guardians oft the Galaxy“ zu gehen.

Was ist das verrückteste was dir als Autor je passiert ist?
Ich wurde im Anschluss an eine Lesung aus meinem Buch „Hartznovelle“ einmal von ein paar Zuhörern regelrecht an die Wand gestellt, wenn mein Werk ihrem ideologischen Empfinden nicht gefiel. Ich habe darin die Welt nicht so geschildert, wie sie sie gerne hätten, was sie mir sehr übel genommen haben. Zum Glück gab es andere Leute aus dem Publikum, die nicht so verblendet waren und für mich Partei ergriffen haben.

Manche Menschen wissen ja ganz genau, was sie sich mit ihrem ersten eigenen Geld gekauft haben. Weißt Du noch was Du von Deinem 0ersten „Buchgeld“ gekauft habt?
Es gibt Geld dafür?! Na ja, ein paar Groschen schon. Aber wofür ich die verpulvert habe, weiß ich nicht mehr.

Würdest Du je beim „Dschungelcamp“ mitmachen? Und wenn ja, wen hättest Du gerne mit ihm Team?
Nein, das ist nichts für mich. Viel zu warm dort und auch der Komfort lässt zu wünschen übrig.

Was war das schlimmste Faschings-/Halloweenkostüm das Du je anhattest?
Ich komme aus dem Norden, ich lehne Fasching aus ethischen Gründen ab.

Socken oder barfuß? Pyjama oder Nachtkleid? Wie schläfst Du lieber?
Barfuß und im Pyjama.

Bist Du ein Morgenmuffel oder sofort fit nach dem Aufwachen?
Ich bin ein Tagmensch. Sobald der Wecker klingelt bin ich wach und vernehmbar. Dafür schalte ich ab, sobald es draußen dunkel wird.
Kannst Du Dich noch an Deine erste Liebe erinnern?
Ja.

Weinst Du auch mal, wenn Du einen traurigen Film siehst? Oder bist Du eher das „kalte Herzchen“?
Ich weine eher selten bei Filmen, dafür kann ich über manche noch sehr lange nachgrübeln. Ein guter Film lässt mich nicht mehr los, selbst wenn der Abspann längst gelaufen ist.

Gibt es irgendwas, worüber Du (zum heutigen Stand) NIE schreiben würdest?
Im zweiten Teil der Holsteiner Trilogie erleidet die Hauptfigur eine veritable Verstopfung – also vermutlich eher nein.

Warst Du schon mal so betrunken, dass Du am nächsten Morgen „Gedächtnislücken“ hattest?
Nein. Ich vertage dafür nicht genug Alkohol, um so weit zu kommen.

Was ist in deiner Handtasche?
Ich habe keine Handtasche, auch nicht eine für Männer. Ich trage mein Leben in den Hosentaschen mit mir rum.

Allgemeines? Was möchtest Du sonst noch gerne von Dir erzählen?
Ich denke, die Fragen waren schon sehr umfassend, sodass die Antworten einiges von mir erzählt haben. In diesem Sinne bleibt mir noch, mich für das Interview zu bedanken und zu verkünden: Ich habe fertig!

Vielen lieben Dank Thomas für Deine Antworten und mega viel Erfolg in der Zukunft!